Inkunabel 
«Summulae Logicales»

Zeitraum: Februar bis Mai 2026
Kontext: BA Studium, 6. Semester

Diese Inkunabel mit Pappdeckeln stammt aus dem Jahr 1486 und wurde in Antwerpen gedruckt. Augenfällig ist das tiefrot gefärbte Einbandleder. Während des Semester fand eine umfangreiche historische Einordnung statt sowie die Konzipierung und Umsetzung der nötigen Massnahmen zur Konservierung und Restaurierung. 

Als Hauptproblematik galt das fragile und bereits stark beschädigte Rückenleder. Zusätzlich wurde noch eine Verpackung angefertigt. 

Vertiefung in den Autor, den Drucker und den Ursprungsort

Dieser Wiegedruck ist eine Auflage des «Summulae Logicales», eine Logikabhandlung. Verfasst wurde sie schon im 13. Jahrhundert und bis heute wird sie neu aufgelegt - es ist ein bedeutendes Werk. Der vermutliche Autor ist Petrus Hispanus, der in seinem letzten Lebensjahr zum Papst Johannes XXI ernannt wurde. Ein detailliertes Impressum identifiziert den Drucker als Gerardus Leeu und verrät das Druckdatum. Eine Handvoll andere Exemplare dieses Drucks sind bekannt, ein Digitalisat gibt es auch. Drei Wasserzeichen wurden im Buch identifiziert und mit Datenbanken abgeglichen, was bestätigte, dass Papier aus der Region verwendet wurde.


Ein Einband zwischen Gotik und Renaissance

Die Buchkultur erlebten am Ende des 15. Jahrhunderts und zu Beginn des 16. Jahrhunderts viele Neuerungen und Umbrüche durch das Aufkommen des Buchdrucks. Das untersuchte Buch repräsentiert diesen Umbruch in seiner Materialität: es ist gedruckt, doch die Initialen und Grossbuchstaben wurden noch von Hand rubriziert und koloriert; es besitzt Renaissance-Pappdeckel, doch typisch gotische Hakenschliessen; die Bünde bestehen aus den üblichen Lederstreifen, wurden jedoch auf eine ganz untypische Art in den Buchdeckeln verpflockt.


Arbeiten am Buchblock

Nach einer routinemässigen Trockenreinigung und Rissschliessung, musste noch ein gebrochener Bund ergänzt werden. Bei genauerer Betrachtung des Aufbaus zeigte sich eine spezielle Verpflockung der Bünde mit Schnur in den Pappdeckeln. Um dieses Zeitzeugnis zu erhalten, wurde ein Pergamentstück eingesetzt, welches in der Pappe neben dem Bund zu liegen kommt. Dank der Grundstabilität, die dieses Pergamentstück mitbrachte, konnte problemlos aufgeheftet werden.


Einband und Lederrestaurierung 

Mit einer reinen Lederergänzung hätte nicht genug Spannung aufgebaut werden können, um die Verbreiterung des Buchblocks auszugleichen. Deshalb wurde beschlossen ein Stück Aerolinen, Baumwolle, einzusetzen. Als nächster Schritt wurde am Kopf- und Fussende des Buches je ein Stück getöntes Leder eingesetzt, um der Fragmentierung entgegenzuwirken und den Schutz der Heftung zu gewährleisten.


Um die fragilsten Teile des Leders zu stabilisieren, wurde ein Teil des Leders mit Klucel G zu 1% in Ethyllactat gefestigt

Ergänzung des Bundes mit einem Pergamentstreifen

Skizze zur Veranschaulichung der Aerolinen-Platzierung

Einsetzen des Aerolinen, um der Ausdehnung des Buchblocks entgegenzuwirken

Untergezogenes Ergänzungsleder

Die Inkunabel in seiner Clamshellbox

Endzustand

Durch die Stabilisierung des Rückenleders konnte der konservatorische Zustand um einiges verbessert werden. Auch die Arbeiten am Buchblock waren nötig und dieser kann nun wieder durchgehend konsultiert werden. Trotzdem bleibt am Objekt weiterhin ein fester Rücken, was den langfristigen Erhalt des Leders erschwert. Das Festigen des Leders hat die Schollen jedoch konsolidiert und die Clamshellbox schützt das Objekt von weiteren mechanischen Belastungen.